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ICE-Park Montabaur
Die Bahn AG fährt voll auf Montabaur ab PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 25. September 2007 um 02:00 Uhr
ICE-Haltepunkt macht dem "Unternehmen Zukunft" zunehmend Spaß - Westerwälder wollen noch mehr Fahrgäste anlocken - Bald für Flüge einchecken?

Das "Unternehmen Zukunft" ist in Montabaur angekommen. Fünf Jahre nach seiner Eröffnung hat die Deutsche Bahn AG den ICE-Bahnhof an der Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Köln und Frankfurt schätzen gelernt. Tatsächlich hat die rasante Entwicklung des Haltepunkts viele Skeptiker Lügen gestraft; für die Westerwälder Grund genug, mit ungebremster Euphorie an der Bahnhofszukunft zu arbeiten.


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MONTABAUR. Der ICE-Bahnhof Montabaur gewinnt für die Deutsche Bahn AG zunehmend an Bedeutung. Fünf Jahre ist es her, dass der erste Linienzug in der Westerwälder Kreisstadt einrollte. Seitdem geht es mit dem Bahnhof auf der grünen Wiese beständig aufwärts. Die Zahl der Fahrgäste hat sich kontinuierlich erhöht, liegt mittlerweile täglich zwischen 2500 und 3000 und lässt sogar smarte DB-Manager jubilieren: "Das ist ein Halt, der uns Spaß macht", sagt Wolfgang Weinhold. Der Leiter des Bereichs Netzmanagement ist Herr über die Fernverkehrsfahrpläne der Deutschen Bahn AG und versichert, dass sein Unternehmen auch in den kommenden Jahren den Bahnhof im zuletzt gewohnten Umfang ansteuern wird. Seine Botschaft: "Der ICE-Bahnhof hat sich gut stabilisiert und ist auch zukünftig gesichert."

Die positive Einstellung der Bahn zum Halt in Montabaur spiegelt sich nach Weinholds Einschätzung auch im Fahrplan für 2008 (gültig ab 9. Dezember) wider, wenngleich drei Verbindungen gestrichen werden. Zwei Züge von beziehungsweise nach Mainz müssen aus betriebswirtschaftlichen Gründen weichen, weil sie laut Weinhold in Bezug auf ihre Nutzung zu den 50 schlechtesten Linien bundesweit gehören. Zudem entfällt der Halt des ICE 221 (Amsterdam-Frankfurt). Die Niederländer machen Druck, sind an einer schnellen Städteverbindung interessiert, die keinen Stopp im Westerwald erlaubt. Ansonsten aber bleibt das Angebot vor allem auf die Berufspendler und insbesondere auf Frankfurt ausgerichtet. Eine deutliche Verbesserung werden im nächsten Jahr zudem wöchentlich je 41 Direktverbindungen von und nach München sowie mehr Direktverbindungen von und nach Dortmund und auch Essen sein.

Im Montabaurer Rathaus nimmt Bürgermeister Edmund Schaaf (Verbandsgemeinde Montabaur) die Daten des neuen Fahrplans mit Genugtuung zur Kenntnis. Schaaf weiß, wie wichtig der Bahnhof für die wirtschaftliche Entwicklung der Region geworden ist. Nur einen Steinwurf vom Bahnsteig entfernt stehen zwei große Bürokomplexe, in denen 600 Menschen Arbeit gefunden haben, ein dritter Büroturm wächst zurzeit in die Höhe. Ringsherum haben sich in den Gewerbegebieten weitere Firmen angesiedelt: Für viele war der nahe Halt mit den schnellen Verbindungen in die Welt ein wesentliches Argument für die Standortentscheidung. Den Menschen hilft es: Im Westerwaldkreis lag die Arbeitslosenquote zuletzt bei 5,7 Prozent, rund um Montabaur mit 5,2 Prozent sogar noch etwas niedriger.

Klar, dass bei einer solchen Entwicklung auch die Landesregierung mit Wohlwollen nach Montabaur blickt, zumal Kritiker dem auch mit viel politischem Druck aus Rheinland-Pfalz durchgesetzten ICE-Bahnhof keine großen Chancen eingeräumt haben - auch in der Konkurrenzsituation zum nahen Limburger Haltepunkt. "Die ICE-Strecke mit dem Bahnhof in Montabaur ist für uns natürlich unendlich wichtig, für die Region als Strukturnotwendigkeit, für Anlieger und Pendler", sagt Innenminister Karl Peter Bruch. Die Landesregierung werde alles tun, um den Bahnhof zu halten. Montabaur sei nicht zuletzt durch den Bahnhof zu einem größeren Schwerpunkt in der Region geworden: "Deshalb stützen wir Montabaur, wo wir können. Denn wir wollen die Stärken weiter stärken." Wie ernst es Bruch damit meint, zeigt die Diskussion um das geplante Factory Outlet Center (FOC). Das Land befürwortet das Projekt, das in umliegenden Städten auf erbitterten Widerstand stößt, für Montabaur aber ein entscheidendes Kapitel in der Erfolgsgeschichte des ICE-Bahnhofs werden soll. Edmund Schaaf sieht hier neue Fahrgastpotenziale schlummern, die das Zugangebot in Montabaur künftig noch einmal deutlich befördern könnten. Eine Perspektive, auf die sich auch die DB einlassen will: "Wenn die Nachfrage sich entwickelt, schauen wir uns das an und werden mitziehen", verspricht Netz-Manager Wolfgang Weinhold, auch wenn er im Moment einen gewissen Sättigungsgrad bei den Fahrgastzahlen zu erkennen glaubt.

Doch gerade damit will man sich im Westerwald ganz und gar nicht zufriedengeben. Beharrlich arbeitet etwa Wilfried Noll, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Westerwaldkreises, an neuen Projekten und hat dabei einen ganz besonderen Coup im Auge. Im Moment läuft in Kooperation mit der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport eine Untersuchung, ob es sich lohnen könnte, Fluggäste direkt an dem von 1000 kostenlosen Parkplätzen umgebenen ICE-Bahnhof für Flüge einzuchecken. Tokio, Moskau, New York oder Sydney - die Welt wächst vielleicht schon bald näher an Montabaur heran und die von vielen lange herablassend belächelte Westerwälder Kleinstadt mehr und mehr über sich hinaus. (jgm)

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